Sterbenskranker Fußball-Fan auf Wunschwegen

Markus jubelt ein letztes Mal auf „Schalke“

„Die ganze Stadt steht hinter Dir; die Kurve treu und stolz zu Dir. FC Schalke für immer; Schalke Du bist wunderbar!“ … Als am Samstag, 2. Februar, in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen 62.000 blau-weiße Fans lauthals die heimliche Ruhrpott-Hymne anstimmen, um „ihre“ Mannschaft anzufeuern, erfüllt sich für Markus Pinkel ein letzter großer Herzenswunsch: Ein letztes Mal ist er einfach nur Fan. Dass der 52-Jährige die atemberaubende Atmosphäre des Stadions in sich aufsaugen und sogar die schlimmen Begleitumstände seiner schweren Krebserkrankung für einen Moment vergessen kann, verdankt er dem Wünschewagen-Team.

Das hat den Mann aus Esperke bei Neustadt zusammen mit seinen Herzensmenschen nach Gelsenkirchen begleitet, besucht mit ihnen zusammen das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach.

Auf eigene Faust hätte Pinkels Familie den Besuch im Stadion nicht mehr organisieren können. Ohne medizinische Hilfe ist der ehemalige Bauhelfer, der vor sieben Jahren an Schilddrüsenkrebs erkrankt ist, inzwischen so gut wie bewegungsunfähig. Er kann nur noch liegen, muss ständig starke Schmerzmittel einnehmen, braucht immer wieder Sauerstoff. Markus Pinkel weiß, dass er bald sterben wird. Und wie so vielen Schwerstkranken  fällt auch ihm das Loslassen nicht leicht. Denn der 52-Jährige muss nicht nur von seiner Frau Susanne Abschied nehmen, sondern auch von seinem kleinen Sohn. Ryan ist erst neun und schon ein echtes Sport-Ass. Papa und Sohnemann verbindet eine große Leidenschaft: Fußball! Seit seinem siebten Lebensjahr ist Markus Pinkel ein Anhänger der „Königsblauen“, wie die Schalker-Elf von ihren Fans liebevoll genannt werden. Bei weit über 50 Partien seines Teams hat er bereits mitgefiebert. Gemeinsam „auf Schalke“ waren Vater und Sohn noch nie. Nichts jedoch wünschte sich Pinkel sehnsüchtiger, als seinem Kind einmal die besondere Kulisse der Veltins-Arena zeigen zu können, ihn hören zu lassen, wie sich die Fans mit viel Pathos und Emotionen einstimmen, ihre Mannschaft anfeuern. Wie gut, dass er diesen letzten Herzenswunsch seiner Betreuerin Roswitha Hahnenkamp vom ambulanten Hospizdienst „Dasein“ aus Neustadt offenbaren konnte und die sich umgehend an das Wünschewagen-Team vom ASB gewandt hat.

Erfolgreich. Denn nichts ließen die Samariter unversucht, um Pinkel und seiner Familie den Besuch im Stadion zu ermöglichen. Nach unzähligen Telefonaten und Emails mit Gelsenkirchen, ergatterten das ASB-Team schließlich doch noch einen besonderen Platz auf der Rollstuhltribüne im Stadion. Begleitet wurde der zerbrechliche Reisende von den ehrenamtlichen Wunscherfüllern Jean-Pierre Brosy (29) und Marc-Oliver Berndt (38). Sie sorgten während des Fußballspiels nicht nur für die medizinische Versorgung des krebskranken Papas, sondern organisierten auch einen Schalke-Fanschal und ein Trikot für Nachwuchs-Fan Ryan. Das werden – so haben es die 04-Fanbeauftragten versprochen - die königsblauen Spieler noch signieren. Pinkel: „Für mich ist mit der Wunschfahrt nach Schalke ein ganz, ganz großer Traum in Erfüllung gegangen. Ich bin so glücklich und dankbar, dass ich dieses Spiel zusammen mit Ryan noch erleben dufte.“

Nur wenige Tage nach seiner Wunschfahrt ist Markus Pinkel friedlich eingeschlafen.

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